Freies Archiv der Hütten- und
Bergwerke Rheinhausen e.V.

Heimat verloren, Heimat gefunden?

Wie alle Industrieregionen ist auch Duisburg Rheinhausen geprägt von Zugezogenen, die in den hiesigen Werken arbeiteten und mit ihren Familien ansässig wurden.

Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Lise-Meitner- und der Green Gesamtschule in Rheinhausen beschäftigten sich von September 2022- Juni 2023 mit Fragen rund um Arbeitsmigration in Rheinhausen, insbesondere der türkisch-deutschen Geschichte(n), des eigenen Herkommens und der aktuellen Entwicklung des Stadtteils. Sie besuchten ausgewählte Rheinhauser Bürger mit ihrem Filmequipment und vielen Fragen im Gepäck: "Woher kommen Sie?", "Wann und warum sind Sie nach Duisburg gekommen", "Wie wurden Sie aufgenommen?", Was verbinden Sie mit dem Wort Heimat?". Begleitet wurden sie von der Filmemacherin sowie Kunst- und Kulturarbeiterin Anna Irma Hilfrich aus Duisburg-Hochfeld.

Es entstanden inspirierende Gespräche, die Einblicke in Biografien gewähren und die Geschichte Rheinhausens erweitern.

"Heimat verloren, Heimat gefunden?" ist ein Projekt des Freien Archivs der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen e.V. in Kooperation mit der Lise-Meitner- und der Green Gesamtschule und wurde initiiert von unseren ehemaligen Vorsitzenden Theo Steegmann.

Von der Lise-Meitner Gesamtschule:
Die Schüler: Feyza Yoldas, Tuana Tokey, Steffen Demmel
Unterstützt durch Kai Sturm

Von der Green Gesamtschule:
Die Schüler: Ravzar Nur Tinkir & Ömür Eren
Unterstützt durch Ralf Reddmann

Begleitet wurde das Projekt von der Filmemacherin sowie Kunst- und Kulturarbeiterin Anna Irma Hilfrich aus Duisburg-Hochfeld.
Gefördert wurde das Projekt durch den Förderpott.Ruhr - das Stiftungsnetzwerk Ruhr.

Unser besonderer Dank gilt den Gesprächspartnern:
Abdullah Altun, Ingrid Lenders, Bahar Tekin und Ali Yakar


ABDULLAH ALTUN
INGRID LENDERS
BAHAR TEKIN
ALI YAKAR
Fazit I: HEIMAT VERLOREN, HEIMAT GEFUNDEN?
Fazit II: AN DIE NÄCHSTE GENERATION
((interne Links))

IM GESPRÄCH MIT ABDULLAH ALTUN
Ein Interview von RAVZAR NUR TINKIR | 13:43 Minuten
Schon von außen manifestiert sich kunstvoll, was sich in den Räumen des bescheidenen Backsteingebäudes im Hintergrund befindet. Statt eines abweisenden Zauns stehen parallel aufgerichtete Betonschwellen auf denen grüngestrichene Schienenstangen horizontal verlaufen. An den Schwellen sind Tafeln angebracht, die Artikel der Menschenrechte, jeder Artikel eine Tafel. Das gesamte Kunstwerk wird umschlossen von einem leise plätschernden Wasserspiel: Das ist der Firmensitz der Altun Gleis- und Tiefbau GmbH. Wir treffen den Unternehmer Abdullah Altun am 23. März 2023 in seiner Firma. Als 12-jähriger kam er mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland - nach Rheinhausen, wo sich noch heute sein Gleisbauunternehmen ist.

IM GESPRÄCH MIT INGRID LENDERS
Ein Interview von RAVZAR NUR TINKIR und ÖMÜR EREN | 14:10 Minuten
Wir treffen Ingrid Lenders auf einem Spielplatz der Magarethensiedlung in der Nähe ihres Hauses. Es ist April 2023, die Kirschbäume blühen üppig rosa, Sonnenflecken tanzen über Ingrids Gesicht. Die rüstige Rentnerin könnte als Ur-Rheinhausenerin gelesen werden, sachkundig weiß sie von Rheinhausen, dem Arbeitskampf, der Entwicklung der Magarethensiedlung zu berichten. Doch gebürtig stammt sie aus Freiberg, einer mittelgroßen Stadt zwischen Dresden und Chemnitz, ehemals DDR. 1958, noch vor dem Bau der Mauer, ging die Familie aus politischen Gründen nach Duisburg. Der Vater hatte auf der Zeche Arbeit gefunden, im August folgte die Mutter mit der 6-jährigen und, um bei Kontrollen nicht auzufallen, einer Handtasche. Das Kind Ingrid verlor von einem Tag auf den anderen ihr zuhause, lebte sich aber langsam ein in das, was ihre Heimat werden sollte - Rheinhausen.

IM GESPRÄCH MIT BAHAR TEKIN
Ein Interview von TUANA TOKEY | 13:08 Minuten
Der 5. November 2022 ist ein Samstag. Wir treffen die Allgemeinmedizinerin Bahar Tekin in ihrer "Praxis am Tor 1" in der Nähe des denkmalgeschützten Tor 1 des ehemaligen Krupp Hüttenwerks Rheinhausen. Der Name ist Programm, bewusst hat sie sich für diesen Standort entschieden, das Interior ist kunstvoll angelehnt an die Geschichte der ehemaligen Stahlindustrie, die auch sie prägte. Der Vater kam Anfang der 70er Jahre als Arbeiter aus der Türkei nach Duisburg, sie selbst gehört zur 2. Generation. Tuana Tokey hat ihre Fragen vorbereitet, plaudert mit Bahar Tekin im Wartebereich der Praxis, bis die Kameras ihren Platz gefunden haben.

IM GESPRÄCH MIT ALI YAKAR
Ein Interview von FEYZA YOLDAS | 11:53 Minuten | türkische Untertitel
Ali Yakar hat uns in die Räumlichkeiten des Atatürkçü Düsünce Dernegi in Duisburg-Rheinhausen eingeladen. Am 6. Dezember 2022 ist es so weit, wir treffen den vielseitig aktiven Yakar. Als junger Mann kam er 1968 zum Studieren nach Deutschland, wurde Krupparbeiter, engagierte sich politisch in der SPD und als Gewerkschafter und schreibt bis heute Gedichte. Vor ihm ausgebreitet seine Bücher, Zeitungsausschnitte, Foto-Zeugnisse eines erfüllten Lebens zwischen Deutschland und der Türkei.

DAS BONUSMATERIAL
Eine Auswahl von RAVZAR NUR TINKIR und ÖMÜR EREN

HEIMAT VERLOREN, HEIMAT GEFUNDEN? | 3:36 Minuten | türkische Untertitel
Leider verging die Projektzeit wie im Flug, für den wichtigen Arbeitsschritt, das Material ins türkische zu übersetzen fehlte es leider an dieser. Aber zumindest konnten wir ausgewählte Passagen der Interviews ins Türkische übertragen. Hier ein Zusammenschnitt auf die Frage: "Heimat verloren, Heimat gefunden?"

AN DIE NÄCHSTE GENERATION | 4:13 Minuten
Beim Sichten ist uns immer wieder etwas aufgefallen: insbesondere unsere Gesprächspartner mit türkischem Hintergrund hatten den Wunsch, der nächsten jungen Generation einige Worte mit auf den Weg zu geben. Diese Wünsche, Apelle, Gedanken haben wir in "AN DIE NÄCHSTE GENERATION" zusammengetragen.